Dorfener Bauhof beweist: Es geht auch ohne Gift

14.02.16 –

Nachfrage der GAL bei der Stadt ergibt, dass auf städtischen Grünflächen keine glyphosathaltigen Mittel wie „RoundUp“ zum Einsatz kommen. Auch in Privatgärten sollte darauf verzichtet werden, so der Appell der Dorfener Grünen.


Der überwältigend gut besuchte Diavortrag „Eine Arche Noah für die Natur“ von Andreas Hartl zeigte nicht nur, welche Natur-Kleinodien wir in und um Dorfen (noch) haben, sondern dokumentierte auch den rasanten Rückgang der Artenvielfalt. Die anschließende Diskussion über die Ursachen des Artensterbens nahm die GAL zum Anlass, nachzuforschen, ob bei der Dorfener Stadtgärtnerei glyphosathaltige Herbizide zum Einsatz kommen. Dorfens Umweltreferent Gerald Forstmaier hat vom Bauhof folgende Antwort erhalten:


Auf städtischen Grünflächen kommen keine glyphosathaltigen Mittel zum Einsatz. Die Stadt bekämpft unerwünschten Pflanzenbewuchs auf öffentlichen Grünflächen, z.B. in Parkanlagen oder Schulen und Kindergärten, durch regelmäßiges Ausmähen. „Auch im innerstädtischen Bereich und entlang von Bordsteinkanten kommen keine Herbizide zum Einsatz. Hier wurde 2015 ein Heißwasserverfahren verwendet“, so die Auskunft der Stadtgärtnerei. Dieses Verfahren sei materialschonender, ungefährlicher und zudem weniger lärmbelästigend als andere Methoden. Der Natur- und Umweltschutz sei der Stadtverwaltung schon immer ein besonderes Anliegen und habe einen höheren Stellenwert als die Vernichtung von Wildkräutern, deren Wuchs, wo immer möglich, toleriert und sogar gefördert werde.


Die Dorfener Grünen sind erfreut über dieses Umweltbewusstsein der Stadt Dorfen. Pflanzenvernichtungsmittel greifen massiv in unsere Ökosysteme ein und sind nach Ansicht zahlreicher Forscher einer der Gründe für das weltweite Artensterben. Der am häufigsten in Herbiziden eingesetzte Wirkstoff ist Glyphosat, das bekannteste glyphosathaltige Produkt heißt „RoundUp“. Es wird nicht nur in der Landwirtschaft in immer größeren Mengen eingesetzt, sondern ist auch für den privaten Gebrauch zugelassen (was den falschen Eindruck erwecken mag, dass dieses Mittel harmlos ist). Dabei kontrolliert aber niemand, ob auf Privatgrundstücken die Anwendungsvorschriften eingehalten werden. So darf es beispielsweise nicht auf versiegelten Flächen wie Garagenzufahrten oder Terrassen angewendet werden.


Dass die meisten Herbizide auch für den Menschen gesundheitsschädlich sind, sollte außer Zweifel stehen. Kürzlich stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die EFSA (European Food Safety Authority, deutsch: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit), eine Agentur der EU, weist die Studien der WHO zurück; nach ihren Untersuchungen gebe es keine hinreichenden Hinweise auf eine Krebsgefahr. Die EFSA spricht sich deshalb nicht gegen eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat aus, über die die EU-Kommission in diesem Jahr entscheiden soll.


Die Auseinandersetzung über die – im Übrigen wenig transparente – Deutungshoheit der Forschungsergebnisse dauert an; wie sie im Hinblick auf die Weiterzulassung endet, ist derzeit offen.


„Warum aber sollen wir ein Risiko eingehen, nur weil die Schädlichkeit von Glyphosat nicht bis auf das letzte I-Tüpfelchen bewiesen ist? Warum geht man nicht umgekehrt vor: Erst müsste bewiesen werden, dass eine Substanz nicht gesundheits- und umweltschädlich ist, bevor sie zugelassen wird“, so Hanna Ermann vom Vorstand der Dorfener Grünen. Für die Grünen ist das Risiko zu hoch, sie setzen sich für ein generelles Glyphosat-Verbot und die Nichtverlängerung der Zulassung ein. Wenigstens aber sollte die Zulassung nicht für den Privatgebrauch gelten. Auch für Letzteres kämpfen schon seit Jahren zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsorganisationen.


So appellieren die Grünen und der Umweltreferent an die Dorfener MitbürgerInnen: Bitte verzichten Sie im Hausgarten, im Schrebergarten und auf Ihren Privatgrundstücken auf den Einsatz von „RoundUp“ und möglichst auch auf andere Pflanzenvernichtungsmittel. Die Stadtgärtnerei beweist, dass es auch ohne Gift geht! Dies sollte Vorbild für alle Haus- und Kleingärtner sein. Auch wenn Jäten, Rupfen und Mähen mühsamer ist als bequemes Gießen oder Spritzen von Herbiziden – erleichtern können Sie sich die Arbeit trotzdem, indem Sie Teilbereiche Ihres Gartens dem Wildwuchs überlassen, wie Andreas Hartl bei seinem Vortrag ausdrücklich empfohlen hat: „Ein paar Ecken sollten unordentlich bleiben.“ Sie leisten damit nicht nur einen Beitrag für intaktes Grundwasser und gesunde Böden und damit für unsere Gesundheit. Die Natur wird es Ihnen auch danken mit einer größeren Artenvielfalt in Ihrem Garten – Singvögel, Igel, Schmetterlinge & Co. werden dann wieder regelmäßig Ihre Gäste sein!

Kategorie

OV Dorfen

GRUENE.DE News

<![CDATA[Neues]]>