GAL: 100-jährige Linde am Wailtl-Keller erhalten

23.09.13

In der Bauausschuss-Sitzung am 30.7. 2013 wurde nun ein Antrag auf Vorbescheid des Bauträgers Sperr & Zellner zur Abstimmung gestellt. In diesem Vorbescheid geht es – unter anderem – um die Rodung von zwei Kastanien und der Sommerlinde, die als zu erhaltende Bäume im Bebauungsplan „Ludwigspark" festgesetzt wurden. Diese Bäume befinden sich östlich bzw. südlich des Wailtl-Kellers. An dieser Stelle soll ein neues Gebäude mit 16 Wohneinheiten, einem Geschäft und Praxisräumen entstehen. Die beiden Kastanien entlang der B15 – eine davon ist als erhaltenswert eingestuft – müssen gefällt werden, um ein Sichtdreieck für die Zufahrt auf die Bundesstraße zu schaffen. Die Sommerlinde, die sich südlich des Wailtl-Kellers an der B15 befindet, soll nach den Plänen des Bauträgers der Tiefgaragen-Einfahrt weichen. Auch die Kastanie weiter westlich ist den Plänen des Investors im Wege. In der Bauauschuss-Sitzung im Juli wurde nun mehrheitlich beschlossen, dass dem Vorbescheid das gemeindliche Einvernehmen erteilt wird und die Bäume gefällt werden dürfen.

Wohlgemerkt: Es handelt sich bisher nur um einen Vorbescheid, nicht um einen fertigen Bauplan. Wenn zuvor alle Bäume beseitigt wurden, ist es natürlich einfacher für den Architekten. Aber ein guter Architekt kann auch ein attraktives Gebäude planen, wenn an einer Ecke ein Baum steht. Mehr noch: Ein derart prächtiger Baum kann sogar eine Bereicherung für das Gebäude darstellen.

Da wir der Ansicht sind, dass sich zum einen auch ein Bauträger an bestehende Bebauungspläne halten soll und dass es sich zum anderen lohnt, die Fällung einer derartig schönen, 90- bis 100-jährigen Sommerlinde noch einmal überdenken, haben wir mit der Unterstützung von Stadträten aus verschiedenen Fraktionen von unserem Recht Gebrauch gemacht, den oben genannten Beschluss dem Stadtrat zur Nachprüfung vorzulegen.

Ich betone in aller Deutlichkeit, dass es nicht um die Verhinderung des Bauprojektes geht, sondern dass wir eine Überarbeitung der Planung fordern, bei der die wertvolle, ortsbild-prägende Sommerlinde erhalten bleibt und somit der seinerzeit bewusst so beschlossene Bebauungsplan eingehalten wird.

Wir haben keine Mühen gescheut und werden in der Stadtratssitzung am Mittwoch eine Planung vorstellen und Ideen vorbringen, die sowohl eine den Vorstellungen des Investors entsprechende Bebauung als auch den Erhalt der Sommerlinde ermöglicht. Wir sehen unseren Vorschlag als Kompromiss, da wir der Fällung der Kastanien, die die Ausfahrt auf die B15 bzw. das Bauvorhaben insgesamt verhindern würden, zustimmen. Die Kastanien sind in ihrer Vitalität und in ihrem Wert mit der ca. 100-jährigen Linde nicht zu vergleichen.

Abschließend erlaube ich mir, aus dem Dorfener Anzeiger vom 10.8.2013 zitieren. Dort äußerte sich Herr Bürgermeister Grundner zum Thema ‚Entwicklung neuer Baugebiete und Wohnungsbau in Dorfen': Bauleitplanung und Bebauungsplan seien (...) immer nur so gut, wie sie in der Konsequenz auch durchgehalten würden. Der Stadtrat müsse daher darauf achten, dass künftig Bebauungspläne „bis auf vielleicht ein paar ganz kleine Dinge" eingehalten würden. Grundner: „Hier müssen Bauausschuss und Stadtrat hart bleiben." Einzel- und Partikularinteressen müssten zurückgestellt werden, auch wenn das vielleicht manchen Bauherren nicht gefalle. Diese restriktive Haltung müsse natürlich auch gegenüber Bauträgern so gehandhabt werden, so Grundner.

Ursula Frank-Mayer

Für die GAL im Dorfener Stadtrat September 2013

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OV Dorfen